Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Peter04
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Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Peter04 » 18. Sep 2022, 18:35

Ich bin seit 10 Jahren Anfallsfrei unter Levetiracetam 1A 500mg (2 x am Tag). Leider habe ich seit Jahren Nebenwirkungen wie Konzentrationsprobleme/Leseschwierigkeiten, Rastlosigkeit und Tinnitus. Allerdings ist nicht erwiesen ob diese Nebenwirkungen auch wirklich von den Medikamenten kommen. Ein Konzentrationstest bei einem Neurophsychologen hat eigentlich ergeben, dass meine Konzentration gut ist, aber ich nehme es anders war.

Leider ist nun seit mehreren Monaten mein Blugspiegel etwas zu gering. Meine Vermuting ist, dass der Spiegel vielleicht zu gering ist, da ich in letzter Zeit schon mal wieder ein paar Bierchen trinke (können schon 2-3 Bier an einem Samstagabend sein).

Mein Neurologe meinte nun, dass ich auf 2 x 750mg erhöhen sollte, da die Medikamente sonst keine Wirksamkeiten hätten. Auf meine Befürchtung, dass dadurch evtl. die Nebenwirkungen noch schlimmer werden meine der Neuro, dass die Medis allerdings keinen Sinn machen, wenn der Spiegel zu gering ist. Daher empfehlt er mir dringend auf 2 x 750mg zu erhöhen und die Entwickung zu beobachten.

Alternativ hat er mir empfohlen auf Briviacetam zu wechseln, da diese evtl. keine Nebenwirkungen mehr hätten.

Wie ist Eure Meinung dazu? Ich habe halt Angst durch den Wechsel auf Briviacetam wieder andere Nebenwirkungen zu haben, die ich aktuell nicht habe.
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Amazoenchen
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Amazoenchen » 20. Sep 2022, 20:12

Hallo

Das mit den Bierchen solltest Du mal klar Abgrenzen. Entweder immer im Unklaren herumschwimmen - könnte es vom Alk sein oder nicht...? Mach einen Strich. Geht auch ohne.

Frage: Was wird therapiert. Du und Deine Anfalle (Epilepsie)? Oder Du und der Blutspiegel vom Levetiracetem?
Es gilt: Ein Medikament wird so lange erhöht, bis Anfallsfreiheit erreicht wird. Oder bis der Patient die Nebenwirkungen nicht mehr erträgt. Aber dann ist das Medi zu wechseln oder ggf. ein zweites hinzuzuziehen, weil ersteres nicht zur Anfallsfreiheit geführt hat.

Mein Blutspiegel vom Zonegran ist sehr tief. Nehme aber 500 mg. Meinem Arzt wäre es nie in den Sinn gekommen, das Medi zu erhöhen, nur damit ich in den Referenzbereich gekommen wäre. - Jetzt haben wir es aus therapeutischen Gründen erhöht.

M.W. - ich bin Laiehat der Alkohol keinen Einfluss auf den Abbau des Levetiracetams. Es müsste sonst explizit auf dem Beipackzettel stehen. Saufen und Medikamente im Allgemeinen sollte einfach nicht sein! Mit Briviact hättest Du dasselbe Problem.

Ob die NW stärker werden, das kannst Du erst beurteilen, wenn Du es versucht hast. Und zwar ohne irgendwelche Vorurteile oder Bedenken, die eigentlich jetzt schon vorhanden sind.

Hast Du schon mal einen kompletten neuropsychologischen Test gemacht?
Wie viele Anfälle hast Du im Moment? Wenn keine, weshalb will Dein Arzt das Levetiracetam erhöhen? Wie kann er behaupten, die Medis hätten keine Wirkung, wenn Du anfallsfrei bist? Hast Du in Deinem EEG epiepsytypische Potenziale? - Hake mal nach. Frage da ein wenig tiefer.

Du schreibst im Titel Wechsel zu Briviact. Aber konkret steht keine Frage. Ich habe beim Wechsel nur eine NW bemerkt, die weg war: Die Psyche. Ich war innert kürzester Zeit gut drauf. Der Rest, der blieb. (Ich habe 4 AE).
Wenn Du möchtest, suche ich Dir gerne die Unterlagen hervor, wo steht, dass der Mensch und nicht das Medikament therapiert wird. Aber zuerst bitte Deine Rückmeldung.
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Peter04 » 23. Sep 2022, 14:48

Hallo, vielen Dank für Dein ausführliches Feedback.

Zu Deinen Fragen: Ich bin seit 10 Jahren Anfallsfrei. Mein EEG zeigt aber immer Auffälligkeiten (kurze Spikes & Waves). Daher könnte man daraus schließen, dass die Medikamente bei mir wahrscheinlich helfen, dass keine Anfälle auftreten.

Seit einiger Zeit ergibt der regelmäßige Bluttest, dass mein Blutspiegel unterhalb des Referenzwertes liegt, was lt. Neurologe unterschiedliche Gründe haben kann, z.B. Stoffelwechselveränderungen o.ä.

Eigentlich wollte ich aufgrund der Nebenwirkungen die Medikamente nicht erhöhen.

Und nun zum Punkt: Der Neurologe meinte nun, dass die Medikamente ggfls. nicht mehr wirken könnten, wenn der Spiegel unterhalb des therapeutischen Wertes liegt und es dann vergleichbar wäre, wie wenn ich keine Medikamente nehmen. Daher auch seine Empfehlung von 2 x 500mg auf 2 x 750mg zu erhöhen, damit der Spiegel wieder innerhalb des Referenzwertes liegt.

Nun nehme ich seit einigen Wochen also die höhere Dosis. Die Konzentrationsprobleme haben sich dadurch zwar nicht verschlimmert, aber auch nicht verbessert. Ich habe allerdings das Gefühl, dass mir ab und zu leicht schwindlich ist und ich auch müder bin als mit der geringeren Dosis. Auch bin ich launischer geworden. Ich kann allerdings nicht sagen, ob das von der Erhöhung kommt. Ich gehe aber mal davon aus.

Ja, einen kompletten neurophsychologischen Test habe ich bereits gemacht. Das Ergebnis war "Insgesamt liegt ein normgerechtes und altersentsprechende unauffälliges kognitives Leistungsprofil vor. Die deutlich erhöhten Werte in der Skala Psychotizismus und stark erhöhten Werte in der Skala Zwanghaftigkeit weisen auf die gedankliche Beschäftigung mit den körperlichen Beschwerden und subjektiv empfundenen kognitiven Beeinträchtigungen hin, die jedoch nicht objektiviert werden können. Zum Erlenen von Stressbewältigungsstrategien und zum besseren Umgang mit den Belastungen wird eine Psychotherapie (Verhaltenstherapie) empfohlen".

Also auf gut Deutsch: ich bilde mir die Konzentationsprobleme nur ein, was natürlich absoluter Quatsch ist. Ich bin ja nicht dumm und kann sowas schon relativ gut bewerten.

Ich freue mich auf Dein Feedback.
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Amazoenchen » 23. Sep 2022, 19:30

Ich gehe jetzt zu meinen Unterlagen nachsuchen. - Mache es evtl. noch.
Mein Neuro meinte erst kürzlich (ca. 1 Jahr). Das Zonegran könnte man von 500 auf 600 mg erhöhen. Das ist zwar von der empfohlenen Höchstdosis 100 mg dazu, aber bei der Serumkonzentration sind schon immer extrem tief.
Vom Forum hier bin ich mir sicher, dass wohl versch. Ärzte mir unterstellt hätten, dass ich das Zonegran nicht in der verschriebenen Dosis nehmen würde. U.a. erst recht weil ich auch reklamierte, dass es mich so irre müde mache. Habe ich nie gehört!

Was die Psyche betriefft (Aggressivität, etc.), da war Briviact für mich ein echtes Aha-Erlebnis. Ob Du aber der geeignete Patient für eine Umstellung bist, wage ich ein wenig zu bezweifeln. Inkl. deinen Neurologen dazu, der den Patienten nach Blutspiegel therapiert. - Aber vielleicht hat er noch andere Gründe. Ich weisss es nicht. Und wenn im EEG doch "etwas" zu sehen ist - wenn auch keine epileptische Potenziale, so bist Du auf der eher sicheren Seite.

Hast Du Lebenspartner/ir? Wenn ja, wie ist die Einschätzung von ihr / ihn? Ggf. Kindern?
Selbst ist man leider nicht so super objektiv.
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Peter04 » 25. Sep 2022, 15:14

Ich kann Deine Antwort leider nicht richtig interpretieren.

Was meinst Du genau mit Aha-Erlebnis bzgl. Briviact? War es für Dich positiv oder negativ?

Auch bzgl. dem Blutspiegel verstehe ich Deine Antwort nicht richtig. D.h. aus Deiner Sicht ist die Entscheidung des Neurologen falsch die Dosis zu erhöhen, obwohl mein Blutspiegel unterhalb des Referenzwertes liegt? D.h. aus Deiner Sicht helfen Levetiracetam auch, wenn der Blutspiegel unterhalb des Wertes liegt?
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Amazoenchen » 26. Sep 2022, 13:57

1. Der Wechsel war i.S. Nebenwirkungen absolut positiv. War selbst überrascht.
2. Beim Honegran bin beim Blutspiegel im untersten Segment des therapeutischen Bereich, obwohl ich die Höchstdosis nehme. - Mein Arzt könnte mir locker unterstellen, dass ich nur die halbe verschriebene Dosis einnehme. (So Ärzte gibt es auch.)

Es ist einfach so: Der Patient wird therapiert und nicht der Blutspiegel.-- Aber ich weiss nicht, ob Dein Neuro noch andere Beweggründe hatte. Z.B. Deine Bierchen? Ich bin Kein Facharzt. Eine Erhöhung meiner Medis müsste mir plausibel erklärt werden, wenn ich bereits annfallsfrei bin und sonst alles super. Denn ich halte mich an alle Regeln, habe keinen Führerscehin.

Die Dosis eines Medikamentes sollte bei gegebener Verträglichkeit und weiterbestehenden Anfällen also in angemessenen Schritten solange erhöht werden, bis entweder eine Anfallsfreiheit
erreicht wird oder störende Nebenwirkungen auftreten.

https://diakonie-kork.de/wp-content/upl ... ndlung.pdf
Uunter Punkt 3 am Schluss)
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Peter04 » 26. Sep 2022, 15:31

Darf ich mal fragen, wieviel unterschiedliche Medikamente Du nimmst, wenn Du sowohl Briviact, als auch Honegran nimmst?
Warum hast Du von Leviteracetam auf Briviact gewechselt?

Du schreibst, dass Du bei Honegran im untersten Segment des therapeutischen Bereichs bist? Bei mir ist es ja so, dass ich unterhalb des therapeutischen Bereichs bin und der Neurologe deswegen der Meinung ist, dass dies dann so ist, wie wenn ich gar keine Medis nehmen würde, da diese in diesem Bereich keine Wirkung mehr hätten.

Als Argument nennt der Neurologe die auffälligen EEGs und gleichzeitig der Blutspiegel, der Unterhalb des therapeutischen Wertes ist und er deswegen die Gefahr eines neuen Anfalls sieht.
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Amazoenchen » 27. Sep 2022, 18:21

Ich nehme: folgende AE
Vimpat, Briviact, Zonegran, Lyrica (Schmerzen / Missgefühle in den Füssen), Frisium (am Ausschleichen)
Der Arzt hat den Wechsel von Keppra auf Briviact vorgeschlagen. Wir waren eigentlich in der Hoffnung, dass Briviact besser wirken würde, als Keppra. - Immerhin Reduktion der NW. Dumm ist nur: Alle Medikamente haben Wirkung. Denn der Versuch des Ausschleichung von Lamictal hat dann eine happige Serie von Anfällen hervorgerufen. Deshalb neu Vimpat. Und im Moment das Stütz-Medi Frisium. - Aber glaub' mir, ich habe eine sehr erfahrenen Epileptologen.
Er ist der Leiter der Epi-Ambulanz.

Ach, sieh' an, sieh' an. Jetzt kommst Du mit "auffälliges EEG". Ich dachte, es wäre nicht auffällig. Aber egal. Dann verstehe ich Deinen Neurologen. Des weiteren kennt er Dich persönlich. Er führt die Gespräche mit Dir. Wenn die NW sich im Rahmen halten und der Blutspiegel für den Neuro "beruhigend" ist ;)
An Deiner Stelle würde ich nicht zu gross hinterfragen. Du bist anfallsfrei. Du hast mit 50% höheren Dosis akzeptable NW und Neuro ist zufrieden. - Halte Dich mit den zu viel Bierchen zurück. Medikamente, welcher Art auch immer und Alkohol passen nicht zusammen. Konsequenzen muss dann Patient tragen, aber das weisst Du ja.

Konntest Du eigentlich die Auswertung des Neuropsychologischen Test mit der zuständigen Person auch durchgehen? - Ich schon, ich konnte nachfragen, was nicht gut war. Und die Frau hat sich extrem viel Zeit genommen.
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Peter04 » 30. Sep 2022, 15:03

Darf ich fragen warum du soviel unterschiedliche Medikamente nehmen musst und warum nicht 1 Medikament ausreicht?

Bzgl. der Auffälligkeiten im EEG habe ich das eigentlich bereits im 2. Post mitgeteilt "Mein EEG zeigt aber immer Auffälligkeiten (kurze Spikes & Waves)."

Die Ergebnisse der Neuropsychologischen Untersuchung konnte ich leider nicht persönlich besprechen, da mir diese nur per Post zugeschickt wurde :-(
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Re: Wechsel von Levetiracetam zu Briviacetam

Beitrag von Amazoenchen » 30. Sep 2022, 18:31

1. Hier geht es um Dich und nicht um meine Medikamente. -
Und weshalb nicht 1 Medikament ausreicht? Tja, 1 Medikament würde schon ausreichen, aber dieses Medikament gibt es noch nicht auf dem Markt, ist noch nicht erfunden :lol:

2) Tut mir leid, dass ich das nicht mehr präsent hatte. Sorry nochmals.

3) Ich habe das Resultat des neurospychologischen Test auch zuerst per Post erhalten und dann um eine Besprechung gebeten. (Ich glaube auf alle Fälle, dass ich denen auf die Füsse getreten bin, dass mir das nicht reicht.)
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