Gedächtnistagebuch?

Kamasutra
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Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kamasutra » 13. Dez 2023, 08:57

Guten Morgen,

führt jemand von euch ein Gedächtnistagebuch?

Es wird immer erwähnt, dass es sinnvoll sein kann, eins zu führen, wenn man Gedächtnisprobleme hat, aber ich kann leider keine sinnvollen Informationen dazu im Netz finden, wie man das angehen müsste. Vielleicht führt ja jemand von euch eins und kann mir ein bisschen was dazu erzählen, also welche Gedächtnisprobleme vorliegen (Langzeit- / Kurzzeit- /mittelfristiges Gedächtnis), wie das Tagebuch geführt wird, ob es was bringt,... - so in der Art.

Liebe Grüße,
Kamasutra
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aggi61
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von aggi61 » 13. Dez 2023, 09:50

Noch nie was davon gehört.
Aber dass mein Gedächtnis eher ein Sieb mit ganz großen Löchern ist - das weiß ich. Spätestens seitdem ich mich mit meinem Mann unterhalte, der mir Sachen aus seiner Kindheit erzählt ... komplett mit Namen von Mitschülern etc. - und ich weiß aus meiner Kindheit fast nix.
LG aggi
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kamasutra » 14. Dez 2023, 12:39

Wirkliche Informationen zu dem Thema habe ich bisher halt noch nicht, kann nur vermuten, dass es darum geht, schlussendlich jeden Tag ein bisschen was aufzuschreiben, was einem als "merkenswert" vorkommt. In Kurzform, vermutlich. Und das dann immer wieder zu wiederholen, denn was das Hirn immer und immer wieder "durchlebt" bleibt halt besser hängen als Dinge, die nur ein oder wenige Male im Kopf herumspuken. So wie Vokabellernen, quasi. Irgendwann bleibt's hängen. Allerdings stelle ich mir das schwer vor bei Dingen, die erst verloren gehen, wenn sie rund ein halbes bis ganzes Jahr zurückliegen, davor aber abrufbar waren. Ich weiß schließlich im Vorfeld nicht, was von den Dingen verloren gehen wird, die ich aktuell noch weiß, und "Alles" aufheben geht ja nun auch nicht. Oder doch irgendwie? Irgendwann hat man einen größeren Stapel an Dingen erlebt: Wie will man das alles immer wieder wiederholen? So rein zeitlich, meine ich. Wie müsste man das in seinen Tagesablauf einbauen? Und wie tiefgehend muss man notieren und wie häufig wiederholen, damit die Sachen wirklich hängen bleiben? Und auch - aber das ist mit Sicherheit sehr individuell: Wie entscheidet man überhaupt, was erinnerungswert ist und was nicht? Ich weiß z. B. aus früherer Erfahrung, dass ich es irgendwann auch als extrem belastend empfand, wenn ich einfache Restaurantbesuche vergessen hatte. Etwas, das ich heute eher unter "naja, so wichtig ist das nicht, konzentriere dich lieber auf andere Dinge" verbuchen würde. Aber damit liege ich ja vielleicht falsch. Damals fehlten mir, wie gesagt, irgendwann auch diese Dinge. In zwei Jahren wäre es womöglich wieder so?
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aggi61
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von aggi61 » 15. Dez 2023, 09:11

Wie entscheidet man überhaupt, was erinnerungswert ist und was nicht?


Das stimmt wohl. Aktuell läuft bei uns jeder Tag fast gleich ab - bzw. jede Woche, und dann ist schon wieder Sonntag. Da wäre nicht viel zum eintragen, außer: "Was gab es heute zum Essen" - worüber ich auch regelmäßig nachdenken muss :roll:

Ich weiß z.B. noch, dass wir im ersten Coronasommer bei meinen Kindern waren. Waren wir danach noch mal über Weihnachten dort oder war das davor? Die zeitliche Einordnung fällt mir schwer, da würde das schon sehr helfen.

Aber vermutlich würde jede Art Tagebuch seinen Dienst tun, so lange man irgend was einträgt.
LG aggi
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Kolibri
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kolibri » 19. Dez 2023, 17:49

aggi61 hat geschrieben: 15. Dez 2023, 09:11 Aber vermutlich würde jede Art Tagebuch seinen Dienst tun, so lange man irgend was einträgt.
Mein Problem - das nicht zu vergessen. Allerdings trage ich nur besondere Sachen ein. Ich habe mir nun eines gekauft, das Jahresunabhängig ist: Zahlen (Jahr, Monat, Tag) muss man selbst eintragen, für Wochentag muss man es entsprechend ankreuzen, einkringeln oder sonstwie markieren. Ist somit wesentlich dünner als die normalen Chefkalender.

@Kamasutra:

Ja, sowas würde ich auch vermuten. Als Kind fing ich an, aufzuschreiben, ob die Sonne schien, was es zum Mittagessen gab. :lol: Dann wurde es automatisch mehr: wie ich in der Schule war, wer mich aufregte. Ich fing aber nicht wie viele an "Liebes Tagebuch, ..." Aber nach ca 1,5 - 2 Monaten hatte ich keine Lust mehr oder vergaß es, fand keine Zeit und schließlich hörte ich jedes Jahr auf. :(

Als ich meine depressive "Laufbahn" in den Psychiatrien begann, empfahl mir einer der Psychiater, meinen Kummer und Frust in ein Tagebuch zu schreiben oder malen. Ich schrieb lieber. Manchmal klebte ich noch ein Blatt dazu. Irgendwann schrieb ich immer weniger. Schließlich nur noch, wenn es Auffälligkeiten irgendwelcher meiner Krankheiten gab, Medikationsänderung u/o zusätzlicher Einnahme und der Grund dafür.

Ach ja, ich las mal eine Empfehlung: mind. 3 positive Dinge aufschreiben, Befinden mit den Standart-Smileys markieren. Mit evtl. Stickern markieren (Häkchen, Sternchen, Pfeile ... - als Stempel hab ich das auch schon gesehen), was man erledigt hat an Aufgaben, Besuchen, Terminen ... Zu manchem noch Kommentare dazu schreiben.

An für sich finde ich das eine tolle Idee, aber wie lange ich das führen würde, ist eine andere Frage. Ich hab irgendwie keinen Platz. Sowas müsste es eher als App geben, wobei ich sowas lieber auf Papier machen würde. Oder als Programm am PC. Handy und Tablet sind mir zu klein.

Was wäre Deine Vorstellung, was Du notieren würdest? Vllt. sehe ich mal was.
LG, Kolibri
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kamasutra » 23. Dez 2023, 17:57

Kolibri: Was du beschreibst, klingt insbesondere nach den "Mood Trackern" im Rahmen vom Bulletjournal. Bulletjournals als Ganzes gibt es m. W. auch in digital, vermutlich manche auch kostenlos. Vielleicht findest du da einen passenden für dich.


"Normales" Tagebuch schreibe ich schon seit meiner Kindheit. Da standen zu Beginn in der Tat auch jede Menge Belanglosigkeiten drin. Einschließlich ein: "Der Tag heute war langweilig. Ich werde ihn Balduin nennen." :lol: Diese einfachen Einträge wandelten sich dann aber nach und nach und wurden "hilfreicher". Auch, wenn es Tagebuch heißt: Täglich schreibe ich das nicht, meist nur alle paar Wochen, manchmal sind auch Monate an Pause dazwischen. Das ist aber auch völlig ok, denn das Schreiben dient mir mehr zum Reflektieren und Sortieren, wenn ich merke, dass im Kopf mal wieder Chaos herrscht. Da hilft mir das Schreiben, Klarheit über meine Gedanken zu bekommen und herauszufinden, ob das, was da oben im Kopf am lautesten brüllt überhaupt wirklich das ist, was mich am meisten belastet. Was meistens nicht der Fall ist...

Worum es mir bei der Frage hier aber ging, ist etwas anderes. Und zwar hatte ich schon mal 12 Jahre lang massive Gedächtnisverluste. Ich konnte plötzlich Dinge nicht mehr abrufen, die rund ein Jahr zurücklagen. Später waren die Sachen dann nach einem halben Jahr weg, gegen Ende teils schon nach einem Vierteljahr. Als wir zunächst Anfallsfreiheit erreichten und anschließend zumindest eine deutlich bessere Situation herrschte als vorher, gab sich das Problem. Nun ist es so, dass die Medikamente aber nicht mehr wirken, und ich merke, dass ich wieder Dinge vergesse. Da mich die Jahre damals insbesondere gegen Ende psychich echt fertig machten, würde ich das heute gerne etwas auffangen, sofern möglich. Und dazu liest man halt immer wieder das Stichwort "Gedächtnistagebuch" - nur halt keine Infos dazu, wie man das sinnvoller Weise führt. Da Termine beim Neuropsychologen jetzt auch nicht grad wie Sand am Meer verfügbar sind, wollte ich einfach schon mal anfangen. Falsch wird es nicht sein, egal, was ich mache. Und da sich unsere Probleme ja manchmal ähneln, dachte ich halt, ich frage mal, ob jemand eins führt.

Ich möchte im Januar anfangen und bin momentan aber noch am überlegen, wie ich es angehen möchte. Da ich auch gerne fotografiere, ist eine Idee, jeden Tag ein Foto zu schießen und die Bilder in ein Buch zu kleben, mit einer kurzen Notiz dazu, was daran das "merkenswerte" war / sein könnte. Das ist allerdings vermutlich nur begrenzt umsetzbar, denn zum einen will ich nicht permanent die Kamera mitschleppen, zum anderen kann es ja auch mal mehrere Dinge pro Tag geben, während ein anderer eher nichts Erinnernswertes bietet. Da fehlt noch etwas die Flexibilität. Bilder wären aber sicherlich gut. Und da es mit Sicherheit darum geht, die Dinge häufiger zu wiederholen, wäre es sicherlich auch sinnvoll, sich einen Rhythmus zu erarbeiten. Also z. B. jeden Abend etwas notieren, 1 x je Woche alle Bilder der Woche ausdrucken und einkleben - und dabei wiederholen, was war - und 1 x im Monat (vermutlich besser öfter) noch mal den ganzen Monat durchgehen und dabei ggf. einzelne Erlebnisse noch mal genauer ins Gedächtnis rufen, wie z. B. Urlaube, zu denen man ja noch mehr Fotos hat, oder wenn man auf einem Konzert war oder dergleichen.

Ob ich das so hinbekomme, ob es taugt, was für Probleme entstehen: Das weiß ich aktuell natürlich noch nicht. Mal schauen, wie ich es konkret angehe.
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kolibri » 3. Jan 2024, 16:32

Kamasutra hat geschrieben: 23. Dez 2023, 17:57 Da ich auch gerne fotografiere, ist eine Idee, jeden Tag ein Foto zu schießen und die Bilder in ein Buch zu kleben, mit einer kurzen Notiz dazu, was daran das "merkenswerte" war / sein könnte. Das ist allerdings vermutlich nur begrenzt umsetzbar, denn zum einen will ich nicht permanent die Kamera mitschleppen,
Hallo Kamasustra,

ich bekomm ständig Werbung von den "Druckern", bis jetzt immer nur Schwarz-Weiß. Gestern in Farbe, da hab ich mir den Link gleich gespeichert. ;-)

:arrow: HP Sprocket Portable 5x7.6 cm Sofortbilddrucker

Weiter unten werden auch noch 4-Farb-Drucker aufgeführt. Soll keine Werbung für Amazon sein - da werden halt mehrere aufgeführt und die Kommentare regen bissl die Fantasie an.

Das hatte ich in einem obigen Kommentar gemeint. :-)
LG, Kolibri
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kamasutra » 3. Jan 2024, 21:17

Wenn die Geräte gut funktionieren, wäre das doch eine klasse Sache. Wenn du das Geld hast, würde ich glatt sagen: Besorge dir eins und fange einfach mal an. Und berichte gerne, es würde mich interessieren, wie es läuft.

Ich bin aktuell am basteln. Aus Kindheitstagen besitze ich noch einen DinA-5-Ordner. Ein paar Seiten dafür habe ich schon zugeschnitten und abgeheftet. Zumindest im Januar möchte ich nun mit Filmstreifen arbeiten. In jede "Bildöffnung" kommt dann ein Erinnerungsfoto. Je nach Tag mal keins oder nur ein Foto, oder halt auch mehrere, wenn der Tag mehr Erinnernswertes lieferte. Für die Filmstreifen habe ich eine Stanzschablone, und auch bereits ein paar Filmstreifen ausgestanzt. Die Bilder für rein werden nicht groß, aber das muss auch nicht, denn die eigentlichen Bilder sollen ja aus dem Gedächtnis kommen. Die Bilder im Filmstreifen dienen entsprechend nur als Erinnerungshilfe. Ich bin echt gespannt, wie sich das entwickeln wird. Und ob es helfen wird natürlich auch.
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von Kolibri » 3. Jan 2024, 23:17

Nee, soviel Geld hab ich nicht. Könnt mir Grad ein China-Gerät in s/w für unter 20 € leisten. 😂

Klingt super, was du machst!
LG, Kolibri
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Re: Gedächtnistagebuch?

Beitrag von aggi61 » 4. Jan 2024, 10:04

Jetzt mal so ne Idee: Könnte man so ein Tagebuch nicht auch digital machen?

Mit Bildern einfügen wäre das zumindest einfacher - denke ich mal.
LG aggi
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